Über Uns
Herkunft und Wege durch Sibirien
Meine Lebensgeschichte beginnt im Schwäbischen Ländle — zumindest die meiner Vorfahren. Vor etwa 200 Jahren wanderten sie aus Deutschland nach Bessarabien aus, ein Gebiet, das heute zur Republik Moldau und zur Ukraine gehört. Später siedelten meine Großeltern auf die Krim um. Dort wurde meine Mutter geboren. Als sie zehn Jahre alt war, brach der Zweite Weltkrieg aus, und unter Stalin wurden viele Deutsche nach Kasachstan verschleppt. So kam ich in Südkasachstan zur Welt und bin dort aufgewachsen.
Nach der Schule führte mich mein Weg in die sibirische Stadt Tomsk, rund 2.500 Kilometer von Zuhause entfernt, wo ich meine erste Berufsausbildung begann. Mit 18 Jahren wurde ich zum russischen Militärdienst eingezogen und nochmals etwa 1.000 Kilometer tiefer nach Sibirien gebracht. Nach sieben Monaten Ausbildung zum Funker durfte ich Sibirien verlassen. Anschließend wurde ich fünf Tage lang mit dem Zug quer durch Russland nach Weißrussland transportiert, wo ich etwa eineinhalb Jahre in einem unterirdischen, geheimen Bunker diente.
Ankommen, Fragen und Glaube
Nach dem Militärdienst kehrte ich nach Südkasachstan zurück. Ein halbes Jahr später reisten meine Mutter, mein ältester Bruder und ich nach Deutschland aus. 1995 geriet ich in eine persönliche Sinnkrise, vor allem ausgelöst durch den Kulturschock. In dieser Zeit bewegten mich viele Fragen — besonders die eine: Wenn es einen Gott gibt, wie kann ich ihm begegnen?
Während dieser Suche besuchte ich eine Gemeinde in Wolfsburg, die zur Kirchlichen Gemeinschaft der Russlanddeutschen gehörte. Dort fand ich Antworten auf meine Fragen, vertraute mein Leben Jesus an und bekam dadurch einen neuen Sinn.
Berufung und Dienst in Deutschland
Etwa neun Monate später erlebte ich durch eine Predigt von Wilhelm Pahls vom Missionswerk „Die Bruderhand“ meine Berufung zum hauptamtlichen Dienst. So begann mein „Wandern“ durch Deutschland: zuerst mit der Ausbildung an der Bibelschule Falkenberg im tiefsten Brandenburg, nahe der polnischen Grenze. Nach Praktika in Thüringen und Berlin übernahm ich meine erste Stelle als Prediger in Anklam in Pommern. Dort heirateten meine Frau und ich.
Nach etwa fünf Jahren wechselten wir nach Wertheim in den Badischen Gemeinschaftsverband — auch „Badisch Sibirien“ genannt. Dort blieben wir zwölf Jahre und dienten der Gemeinde mit unseren Gaben und Talenten. In dieser Zeit schenkte uns der Herr drei wunderbare Kinder. Im August 2020 kamen wir nach Eschwege, um die Mitglieder des EGHN e.V. vor Ort zu betreuen. Und wieder hörten wir, dass diese Gegend von manchen Südländern „Hessisch Sibirien“ genannt wird. Ein roter Faden ist also nicht zu übersehen. Nun sind wir gespannt, was der Herr Jesus hier tun wird.
Unsere Geschichte
Die Ursprünge der Landeskirchlichen Gemeinschaft in Eschwege gehen auf eine Evangelisation mit dem Prediger Heinrich Dannert zurück. Als Folge davon wurde die Gemeinschaft in Eschwege 1897 von dem damaligen Pfarrer an der Neustädter Kirche Friedrich Arnold (1889-1934) ins Leben gerufen und auch anfangs geleitet. Parallel kam es zu Gemeinschaftsgründungen im Ringgau durch die Pfarrer Reinhold (Röhrda ab 1894) und Junghans, Lehrer Bachmann in Datterode und Cyriakus Fey in Grandenborn. In Bad Sooden-Allendorf startete Bruder Geresser die dortige Gemeinschaft 1902. Von ihrer Entstehung her ist die Gemeinschaftsbewegung eine innerkirchliche Bewegung und bis zum heutigen Tag über ihren Dachverband ein freies Werk innerhalb der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck. Sie hat sich von Anfang an immer als Erneuerungsbewegung innerhalb der Kirche verstanden.
Die Eschweger Gemeinschaft war mit Pfr. Arnold auch 1901 beteiligt bei der Gründung des Hessischen Gemeinschaftsdachverbands, damals „Vereinigung für Evangelisation und Gemeinschaftspflege in der Landeskirche“ heute Evangelischer Gemeinschaftsverband Hessen Nassau e.V. Die Leitung damals setzte sich aus sechs Pfarrern (Arnold (Eschwege), Holzapfel (Großalmerode), Horst (Mansbach), Sartorius (Burghaun), Sperber (Kassel), Wittekind (Oberissigheim)) und sechs Laien (Batz (Oberkaufungen), Boller (Bergen), Gundlach (Großalmerode), Goy (Marköbel), Wilkens (Hersfeld), Willmann (Kassel)) zusammen. Wie damals ist es bis heute charakteristisch für die Gemeinschaftsbewegung, dass ihre Arbeit zu großen Teilen von Ehrenamtlichen getragen wird.
In der ersten Satzung hieß es zu den Zielen u.a.:
Die Vereinigung will zu gemeinsamer Arbeit für den Herrn Jesus und sein Reich zusammenschließen alle diejenigen evangelischen Christen der hessischen Landeskirche, welche sich auf Grund der Heiligen Schrift und des evangelischen Bekenntnisses die Erweckung lebendigen Glaubens durch Evangelisation und die Pflege brüderlicher Gemeinschaft und Vertiefung in Gottes Wort zur Aufgabe machen, und will die Willkür und Zersplitterung, wie sie in einzelnen Teilen der Landeskirche zu Tage tritt, fernhalten, um der Landeskirche das Salz zu bewahren.
Diese Zielsetzung hat von Anfang an in Teilen der Landeskirche wie auch über die Jahrzehnte in der Gemeinschaftsbewegung nicht immer nur Begeisterung hervorgerufen. Innerkirchliche Sammlungs- und Erneuerungsbewegung zu sein, ist aber historisch bis zum heutigen Tag der Ort, an den uns Gott gestellt, und die Aufgabe, die er uns aufgetragen hat.
Spende
Landeskirchliche Gemeinschaft Eschwege e.V.
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